Nachwuchs Schweizermeisterschaften 2018: Medaillensatz für Noe Keusch

Letztes Wochenende fanden in Olten die diesjährigen Schweizermeisterschaften des Nachwuchses statt. Erstmals seit 2013 schickte YSZ wieder eine vierköpfige Delegation ans Turnier. Wie schon vor einem Monat an der Elite SM sollte es ein sehr erfolgreiches Wochenende für unseren Verein werden.

 

Noe 3 Medaillen

 

Genau 18 Jahre ist es her, seit Yves Martinek und Simon Böni im U18 Knaben Doppel die letzte Goldmedaille an einer Nachwuchs SM für die Young Stars aus Zürich gewannen. Die Zeichen standen gut, dass das 11-jährige Jungtalent Noe Keusch, welcher am ersten Turniertag der einzige YSZ-Vertreter war, endlich diese Durststrecke beenden könnte. Entsprechend motiviert und von Coach Julian Busslinger ausgezeichnet eingestellt ging Noe im Mixed an der Seite von Laura Kott (vom Partnerclub TTC Uster) ans Werk. Im Viertelfinale konnte die Paarung Yeo/Cruchon von den Silver Stars Genf in Schach gehalten werden. Im Halbfinale musste Freund und Doppelpartner Severin Scherrer mit seiner Partnerin Moor aus Spreitenbach die Segel streichen. Die höchste Hürde wartete im Endspiel mit Cambra/Bourquard auf die Deutschschweizer Kombination.

 

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Die beiden nachmaligen Schweizer Meister im Einzel forderten unserer Paarung alles ab. In einem sehenswerten Endspiel behielten die Noe und Laura am Ende die Oberhand und konnten sich nach dem hartumkämpften 3:2 Erfolg zum verdienten Schweizer Meistertitel gratulieren lassen. “Einer der Gründe für den Sieg war sicherlich, dass die Kontrahenten mit den guten Aufschlägen von Noe beide grosse Mühe bekundeten”, meinte ein stolzer Julian. “Ebenfalls entscheidend war, dass Laura durch ihre sicheren Returns auf der Rückhand etliche Topspins von Noe ideal lanciert hat.” Freudestrahlend durften die beiden Zürcher anschliessend die Goldmedaille und die Blumen auf dem Siegerpodest in Empfang nehmen. Dies war gleichzeitig der erste grosse Titel auf nationaler Ebene für YSZ seit dem Damen NLA-Sieg im Jahr 2001!

 

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Anschliessend trat Noe im U11 Knabendoppel mit Severin Scherrer (Lenzburg) an, welcher ab kommender Saison ebenfalls in unseren Vereinsfarben spielen wird. Gemeinsam mit Cambra/Vepa setzen sich die vier punkto Spielsystem und Klassierung deutlich von der Konkurrenz ab. Daher war es nur logisch, dass sich die beiden Paarungen souverän durchsetzten und die Endspielpaarung Keusch/Scherrer gegen Cambra/Vepa lautete.

 

Noe Severin

 

Dort kamen die beiden Deutschschweizer jedoch lange Zeit nicht so richtig ins Spiel. Die Westschweizer drückten dem Doppel in den ersten beiden Sätzen klar den Stempel auf. Im dritten Satz kamen unsere Jungs zwar immer besser ins Spiel, aber leider war es für eine Wende zu spät. So mussten sie ihren Gegnern aus Meyrin und La-Chaux-de-Fonds zum verdienten Sieg gratulieren und mit einer ehrenvollen Silbermedaille vorlieb nehmen.

 

Podest U11 Doppel

 

Nun galt es noch einmal alle Konzentration fürs Einzel zu sammeln, wo Noe, nach seinem zweiten Rang am Top 8-Turnier, erneut zu den Favoriten zählte. Die zwei tiefer klassierten Widersacher aus Bremgarten und Meyrin konnten ihm in der Gruppenphase absolut nichts anhaben, genauso wenig Samuel Durrleman (Silver Star) in der ersten k.o.-Runde. Im Viertelfinale wartete dann der gefährliche Abwehr- und Materialspieler Felix Gehl (UGS-Chênois). Er verlangte Noe in Satz 2 und 3, die in die Verlängerung gingen, alles ab. Die dank Julian und Trainingskollege Yannik Hass im Training gesammelte Erfahrung gegen Noppen gab schliesslich aber den Ausschlag zugunsten von Noe.

 Noe Sm18

 

Im Halbfinale wartete „Angstgegner“ Abishek Vepa, gegen den Noe in dieser Saison schon zwei Mal am Ranglistenturnier verloren hatte, auf den Stadtzürcher. Man durfte nach den ausgezeichneten Turnierresultaten der vergangenen Wochen aber gespannt sein, ob es dieses Mal für einen Sieg reichen würde. Leider ging der wichtige Startsatz knapp mit 9:11 verloren und Noe geriet alsdann 0:2 in Rückstand. Es sah ganz so aus, als würde Noe wohl wieder seinen Meister im starken Blockspiel Vepas finden. Doch nun fand der Stadtzürcher immer besser ins Spiel und vor allem demonstrierte sein grosses Kämpferherz. Den dritten Satz gewann der Blondschopf dank guter Servicevariation und aktivem Schupfspiel in die Rückhand. Damit kehrte die Hoffnung wieder zurück und dem folgte dann ein hochspannender, nervenzerreibender vierter Satz. Der Durchgang schwang mehr hin und her als jedes Pendel! Mit demselben Rezept wie in Satz drei konnte Noe diesen aber mit 11:9 gewinnen, nachdem Julian beim Stande von 8:9 zum perfekten Zeitpunkt das Time-Out nahm. Es sollte also ein fünfter Satz darüber entscheiden, wer sich im Anschluss mit Cambra, der Severin in vier Sätzen im Schach hielt, um den Titel duellieren würde. Wieder startete der Durchgang extrem umkämpft. Beim Seitenwechsel lag Noe mit 5:4 noch hauchdünn in Front. Beim Spielstand von 7:7 unterliefen ihm jedoch in der Anspannung einige unerzwungene Fehler, so dass er Vepa am Ende den Vorttritt lassen musste.

 

Podest U11 Einzel

 

Nach den anfänglichen Tränen über den knapp verpassten Finaleinzug, konnte sich Noe aber am Ende des Tages über einen erneuten Podestplatz und einen kompletten Medaillensatz freuen. “Gegen Abishek muss ich mein normales Angriffsspiel etwas anpassen. Mehr Variation und bessere Platzierungen. Als Blockspieler liegt ihm mein Spiel leider recht gut”, analysierte der Elfjährige. “Ein bisschen mehr Doppeltraining mit Severin hätte sicher auch nicht geschadet. Grundsätzlich bin ich aber sehr zufrieden. Nächstes Mal klappt es!!”

 

Der Verein gratuliert Noe ganz herzlich zu diesem grossen Erfolg, den er sich durch seinen vorbildlichen Einsatz im Training verdient hat, sowie seiner ganzen tischtennisbegeisterten Familie. Zudem bedankt sich YSZ ganz herzlich bei Julian Busslinger für sein ausgezeichnetes und engagiertes Coaching sowie bei den Vereinstrainern Dominik Moser und Arno Römmeler. Weiterer Dank gilt auch unserem Profitrainer Markus Baumann, sowie dem Stützpunktleiter Pedro Pelz. Alle haben sie mit Noe während der Saison intensiv gearbeitet und diese Erfolge erst möglich gemacht.

 

Noe Julian Sm

 

Am Sonntag fuhren dann unsere drei stärksten Junioren den kurzen Weg nach Solothurn: Léon Mamié, Nemo Milos und Yannik Hass, alle in ihrem letzten Jahr als Nachwuchsspieler. Als Coach standen am zweiten Tag Emre Imamoglu und Profitrainer Markus Baumann im Einsatz.

 

Im U18 Doppel starteten Léon und Nemo, die bis dato ein hervorragend harmonierendes Doppel bildeten, als einer der Geheimfavoriten auf einen Podestplatz in die SM. Doch die zwei wählten den wohl schlecht möglichsten Tag aus um erstmals zusammen unter ihrem Niveau zu spielen. Nach gewonnenem Startsatz begingen die zwei Zürcher viel zu viele Eigenfehler und unterlagen ihren deutlich tiefer klassierten Gegnern aus der Westschweiz. “Wir haben praktisch wie zwei Einzelspieler gespielt”, hielt ein enttäuschter Léon selbstkritisch fest.

 

Yannik traf mit seinem Doppelpartner Robin Feuz (Affoltern am Albis) in der Startrunde auf zwei besser klassierte Westschweizer. Die beiden harmonierten zwar gut, mussten aber die ersten beiden Sätze nach gutem Kampf abgeben. Auch im dritten Durchgang war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wo YSZs NLB-Spieler Tobias Klee, der bei seinem Stammverein Affoltern am Albis seit etlichen Jahren als Nachwuchstrainer im Einsatz steht, beim Zwischenstand von 9:9 ein wichtiges Time-Out nahm. Damit wurde die abnormale Show der beiden Zürcher so richtig lanciert. Es folgte eine beinahe absurde Kehrtwende. Robin und Yannik verkürzten auf 1:2, dominierten den vierten Durchgang und führten im Entscheidungssatz mit 6:0 und anschliessend auch mit 9:4. Zwei Punkte trennten sie noch von einem fantastischen Sieg und einem Achtelfinal-Duell mit den Topfavoriten Girod/Osiro, den beiden besten Nachwuchsspieler des Landes. Leider nahm die irre Partie eine letzte Wende. Die Gegner drehten voll auf und machten anschliessend sieben Punkte in Serie, womit auch für Yannik nach einem Spiel Schluss war. 

 

Robin Yannik 

Doch das Turnier war noch nicht fertig. Nach über vier Stunden Wartezeit stand endlich für alle drei Young Stars das Einzel an. Für Yannik ging es im Startspiel gegen Luca Arnet (Rapid Luzern). Yannik trat sehr stark auf und brachte mit seinem Abwehrspiel zahlreiche Bälle zurück. Doch sein Gegner wusste leider nicht nur, wie man gegen lange Noppen spielt. Arnet ist selbst Verteidiger und konnte somit viele Bälle von Yannik gut durchschauen, was zu einem letztendlich souveränen 3:0 für den Luzerner führte. Trotzdem wehrte sich Yannik klasse und verlor den letzten Durchgang nur ganz knapp mit 9:11. Im Anschluss zeigte sich der Stadtzürcher auch zufrieden: “Die Schweizermeisterschaften waren wieder eine tolle Erfahrung. Es hat mir sehr viel Spass gemacht und ich konnte im Einzel auch in zwei Sätzen gut mithalten.”

 

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Léon und Nemo trafen im Startspiel auf machbarere Aufgaben. Beide waren nach dem enttäuschenden Doppel, sowie den jeweiligen Erst-Runden-Aus im Vorjahr, noch wilder und entschlossener an ihrer letzten SM eine gute Leistung zu zeigen. Für Léon, in seinem ersten Jahr bei YSZ, ging es zuerst gegen Julien Ruch (Châtelaine), an dem sich Nemo vor Jahresfrist die Zähne ausgebissen hatte. Doch der Westschweizer sollte nicht noch einmal Erfolg haben. Léon spielte von Beginn weg fokussiert und druckvoll, was zu einem komfortablen 3:0 führte. Zeitgleich traf Nemo auf Teo Aeschimann (Vernier). Ruhig und topmotiviert spielte er seinen Gegner an die Wand und zog ebenfalls in die zweite Runde ein, welche kurz darauf begann.

 

NLC-Spieler Léon musste hier gegen Bastian Poujoulat (Vernier) den Startsatz abgeben, fand aber danach immer besser ins Spiel und setzte sich letztendlich in vier Sätzen durch. Auf Nemo wartete eine scheinbar deutlich höhere Hürde: Sean Zehnder (Wädenswil), der ehemalige Traingspartner von Léon. Von bislang drei Begegnungen hatte Nemo keine gewinnen können, allerdings standen die Chancen diesmal deutlich besser, da der Wädenswiler nun wieder ohne kurze Noppen auf der Vorhand spielt. Dennoch hätte wohl niemand damit rechnen können, was sich in den folgen zwanzig Minuten abspielen würde: vom ersten Ballwechsel weg setzte Nemo die Anweisungen von Emre zur Perfektion um und donnerte dem A-Spieler die Bälle um die Ohren. Nachdem der erste Satz dank einigen spektakulären Endschlägen mit 11:7 sicher gewonnen werden konnte, spielte Nemo auch in den nächsten beiden Sätzen so stark auf, dass er seinen Coach nach dem zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gestanden 3:0-Erfolg sprachlos liess: “Nemo war schlicht und einfach phänomenal! Er liess Sean nie ins Spiel kommen”, so die lobenden Worte von Emre, der danach hinzufügte, dass er seinen Kollegen “noch nie so gut spielen gesehen habe”.

 

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Im Achtelfinal traf Léon nun auf Elias Hardmeier (Neuhausen). Das Duell lief ähnlich zu all ihren Begegnungen diese Saison: Am Anfang des Satzes konnte Léon noch gut mitspielen, bevor Hardmeier, welcher dem YSZ’ler auch überhaupt nicht liegt, mit knallharten Angriffsschlägen sowie einigen blöden Fehlern von Léon, davonzog. Somit ging die letzte Nachwuchs-SM vom Rämibühler Gymnasiasten im Achtelfinale zu Ende. Dennoch war Léon, zurecht, zufrieden mit seinem Auftritt, denn gegen Hardmeier, der in der abgelaufenen NLB-Saison 65% seiner Einzel gewann, zu verlieren ist keine Schande.

 

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Zeitgleich traf Nemo am Nebentisch ebenfalls auf seine bis dato härteste Prüfung: Loïc Stoll (UGS-Chênois). Obwohl Nemo, ebenfalls hauptsächlich durch Julian und Yannik, genug Erfahrung gegen Noppen gesammelt hatte, wurde schnell klar, dass Stoll, dessen Spiel eine klasse Kombination aus Angriff und Abwehrbällen ist, welche mit extrem viel Schnitt zurückkommen, eine ganz andere Aufgabe darstellte. Im ersten Satz legte Nemo, beflügelt immer noch vom Sieg gegen Zehnder, los wie die Feuerwehr und erarbeitete sich eine 9:6-Führung. Doch Stoll kämpfte sich zurück und gewann den Satz noch nach Satzball für Nemo, auch mit dem nötigen Qüantchen Glück eines Kantenballs. Und nun demonstrierte der Abwehrkünstler, wieso er an den beiden Ranglistenturnieren (Top 24 und Top 8) zweimal aufs Podium kam. Mit schwierigen Schnittwechseln verleitete er Nemo, der am Verlust des ersten Satzes noch etwas haderte, immer wieder zu Fehlern, und gewann diesen deutlich. Dank den Anweisungen von Markus fand Nemo danach aber wieder zurück ins Spiel und war in Satz drei wieder ebenbürtig. Leider setzte sich wieder der Westschweizer mit dem knappst möglichem Vorsprung von 11-9 durch und beendete das SM-Abenteuer von Nemo. “Mit meinem Auftritt im Einzel bin ich sehr zufrieden. Schade, konnte ich am Schluss nicht den einen knappen Durchgang gewinnen, aber Stoll hat auch wirklich klasse gespielt.” Dieser Match bestätigte auch Nemo's gigantische Fortschritte in den letzten paar Spielzeiten. Im Dezember 2015 war der YSZ’ler noch D2 klassiert! Am Sonntag konnte er nun an der Nachwuchs SM nicht nur das Achtelfinale erreichen, er war dort dem nachmaligen Vizeschweizermeister lange Zeit ein mehr als ebenbürtiger Gegner! Ein weiterer Grund, weshalb die beiden stärksten Junioren in unserem Verein stolz auf ihre Leistungen sein sollten, bestätigte sich im Verlaufe des Nachmittags aufs Zehnfache. Wie bereits erwähnt, konnte Stoll sich bis ins Finale vordringen. Hardmeier kämpfte im Viertelfinale den Top 8-Gewinner Barish Moullet (La Chaux-de-Fonds) im fünften Satz nieder. Im Halbfinale warf er dann einen der beiden Kronfavoriten, Dorian Girod (ZZ-Lancy), souverän aus dem Turnier, bevor er sich in einem sehenswerten Endspiel gegen Stoll in drei Durchgängen verdient den Titel holte.

 

Startrainer Markus Baumann war ebenfalls sehr zufrieden mit dem Abschneiden seiner vier Schützlinge: “Mit dem historischen, dreifachen Medaillengewinn von Noe und dem sensationellen Erfolg von Nemo gegen den A-Spieler Zehnder kann YSZ auf eine äusserst erfolgreiche SM zurückblicken. Ich hoffe, die überragenden Resultate machen allen anderen jungen Nachwuchstalenten sowie den Trainern Mut, dass wir hier in Zürich gemeinsam grosse Erfolge feiern können.”

 

Vielen Dank an die Tischtennisclubs aus Olten, Winznau und Niedergösgen für eine gelungene Organisation der diesjährigen Meisterschaften! Vielen Dank auch an Starfotograf René Zwald für die Bilder!

 

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Text: Emre Imamoglu und Markus Baumann

Fotos: TTC YSZ / STT (René Zwald)

 

Fotos vom Samstag (STT)

Fotos vom Sonntag (STT)

Bilder Organisator

 

 

Resultatübersicht

1. Rang Mixed U11: Noe Keusch und Laura Kott (Uster)

2. Rang Knaben Doppel U11: Noe Keusch und Severin Scherer (Lenzburg)

3. Rang Knaben Einzel U11: Noe Keusch

9. Rang Knaben Einzel U18: Léon Mamié 

9. Rang Knaben Einzel U18: Nemo Milos