Sensationell in Neuchâtel

Das Mixed Busin/Moser gewinnt an den Schweizermeisterschaften der Elite völlig überraschend die Silbermedaille und schaltet auf dem Weg dorthin unter anderem die hochfavorisierten Nationalspieler Reust/Weber in fünf dramatischen Sätzen aus. Im Herren Doppel schnuppern Moser/Schaufelberger im Viertelfinale an einer grossen Sensation, scheitern aber nach acht vergebenen Matchbällen mit 19:17 im 5. Satz.

 

2018 SM Mixed

Foto: https://www.sttelite2018.ch 

 

Im Vorfeld deutete eigentlich nichts darauf hin, dass der 3. März zu einem historischen Tag für die YSZ-Delegation werden würde. Das tief verschneite Neuenburg hatte zum Stelldichein der besten Tischtennis-Cracks gerufen und im Stade de la Maladière eine stimmungsvolle und gut besuchte Veranstaltung auf die Beine gestellt. Beflügelt von diesem Ambiente liessen sich die Vertreter aus der Limmatstadt nicht lumpen und zeigten sich von Beginn weg auf der Höhe ihrer Aufgaben. Sowohl Klee/Holzinger als auch Schaufelberger/Schilling konnten im Mixed mit Nick/Sperr bzw. Hardmeier/Stamm höher eingeschätzte Paarungen besiegen und auch in der nächsten Runde noch Satzgewinne verbuchen.

 

Übertrumpft wurden sie nur noch von Sandra Busin und Dominik Moser: Das Paar bewies, dass Routine und jugendliche Begeisterung bestens miteinander harmonieren können. Weder Gutknecht/Melliger noch Meier/Suter hatten bei ihren Dreisatzniederlagen den Hauch einer Chance. Doch dann wartete im Viertelfinale mit Lionel Weber, der neu in der Weltrangliste auf Position 150 geführt wird, und der Nationalspielerin Céline Reust eine schier unüberwindbare Hürde auf unser Paar. Es sollte aber anders kommen: Bereits im 1. Satz konnte Reust ihre Unsicherheit gegen die kurzen Noppen von Busin nicht verbergen und auch Weber hatte ungewohnte Mühe mit seiner Risikoeinschätzung. Prompt ging der 1. Satz mit 11:4 recht klar an unsere Farben. Im 2. und 3. Satz schien das Match dann doch den gewohnten Lauf zu nehmen und Busin/Moser gerieten mit 1:2 in Rückstand. Doch wer jetzt glaubte, das sei das Ende, sah sich jäh getäuscht. Moser wuchs – taktisch von Busin geschickt lanciert – immer mehr über sich hinaus und punktete Mal für Mal mit sehenswerten Angriffsschlägen. Die immer zahlreicher werdenden Zuschauer trauten ihren Augen nicht: 11:1 lautete das klare Verdikt im 4. Satz. Nun lag eine Sensation in der Luft. Mit einem Startfurioso der Klavierlehrerin Busin waren die Weichen früh auf Sieg gestellt und die Medaille mit 11:6 ins Trockene gebracht.

 

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Fotos: René Zwald

 

Am Abend galt es dann nach den Doppel- und Einzelspielen wieder die Konzentration hochzufahren und die letzten Energiereserven anzuzapfen. Gegen die Paarung Krstic/Tschalakian ging es um den Einzug ins Finale, wobei insbesondere die nachmalige Silbermedaillengewinnerin im Einzel unserem Paar die Suppe noch versalzen wollte. Nach einem leichten Sieg im Startsatz wurde es dann auch das erwartet schwere Spiel für die Zürcher Kombination. „Wenn ich jetzt nicht mutig angreife, dann verlieren wir dieses Spiel“, analysierte Busin glasklar in der Satzpause nach dem 1:2 Satzrückstand. Und tatsächlich konnte die Altmeisterin noch einmal Kräfte frei machen und es gelang unter der tollen Fanunterstützung der Vereinskollegen noch einmal das Blatt zu wenden. Nach dem 11:3-Erfolg im 5. Satz fielen sich die beiden glücklich in die Arme. „Vor einer Woche habe ich am Ranglistenturnier noch gegen einen B12 verloren und nun stehen wir hier im Endspiel. Ich kann es selber kaum glauben!“, bilanziert ein strahlender Dominik Moser. Im Finale war dann etwas die Luft draussen und man musste neidlos die Überlegenheit von Abwehr-Ass Champod und der mittlerweile in der Weltrangliste auf Position 68 gekletterten Rachel Moret anerkennen. Mit der Silbermedaille – der ersten SM-Medaille für das YSZ-Eigengewächs Moser – haben die beiden aber mehr erreicht, als sie sich erträumen durften.

 

Auch im Herren Doppel sollte es in ähnlichem Stil weitergehen. Busslinger/von Däniken forderten den NLA-Cracks Girod/Taffé aus Genf alles ab, konnten aber eine 5:3-Führung im 5. Satz nicht über die Ziellinie retten. Schade, denn sonst wäre es zum direkten Duell mit Moser/Schaufelberger gekommen. Die beiden Dominic/ks bildeten bisher in der Meisterschaft kein besonders harmonisches Doppel, sodass man den beiden nicht besonders viel Kredit gab. Ein mühsamer Startsieg gegen Karam/Stoll schien diese Einschätzung zu bestätigten. Doch dann fanden die beiden unterschiedlichen Typen immer besser zueinander und der Sieg gegen Taffé/Girod war gleichbedeutend mit dem Einzug ins Viertelfinale. Dort warteten mit Lionel Weber und Filip Karin die grössten Titelaspiranten auf unsere NLB-Spieler. Doch auch hier rieb man sich nach dem 11:8 Startsatz und dem 11:8 Satzausgleich im vierten Satz verwundert die Augen: „Mösi und Schufi“ übernahmen immer mehr das Spieldiktat und kamen im 5. Satz bei 10:6 zu vier Matchbällen. Was sich danach entwickelte war eine der dramatischten Endphasen in der Geschichte der nationalen Titelkämpfe. Weber/Karin gelang es zum 10:10 auszugleichen. Dann wogte das Spiel hin und her. Meister Hitchcock führte Regie und inszenierte einen Krimi vom Besten. Immer wieder wechselte das Momentum von einer Seite zur anderen, ehe das Pendel schliesslich mit 19:17 zugunsten von Weber/Karin ausschlug. Dass Moser/Schaufelberger trotz dieser vergebenen Chance stolz auf ihre Leistung sein dürfen, beweist der Umstand, dass Weber/Karin am Sonntag souverän den Doppeltitel holten.

 

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 Fotos: Bratislav Stevanovic/René Zwald

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Im Damen Doppel kamen Busin/Schilling ebenfalls recht nahe an eine Medaille heran. Da die Schweizer Meisterin Moret im Viertelfinale mit dem noch unerfahrenen Jungtalent Maurer antrat, konnte man sich leise Chancen auf einen Podestplatz ausrechnen. Ein unnötig mit 9:11 verlorener Startsatz und ein sensationeller Gegenschuss von Moret am Ende des umkämpften vierten Satzes bedeuteten jedoch das Ende der Medaillenträume.

 

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Fotos: René Zwald

 

Im Einzel gab es dann leider nicht viel zu holen. Um der Chronistenpflicht Genüge zu tun, seien aber auch hier die Resultate erwähnt: Schilling scheiterte an der neu für Genf spielenden Perez, Busin war mit dem Kopf schon beim Mixed-Halbfinale und unterlag der Ex-Schweizermeisterin Göggel 2:4, Moser scheiterte trotz gutem Spiel am nachmaligen Schweizer Meister Elia Schmid, von Däniken erspielte sich im 2. und 3. Satz gegen den Nationalspieler Tschanz insgesamt sechs Satzbälle, wusste aber keinen zu nutzen, Tobias Klee verschlief die ersten beiden Sätze gegen Melliger und fand erst zu spät ins Spiel und Dominic Schaufelberger litt noch unter den Nachwehen der verpassten Doppel-Sensation und unterlag dem Rio-Star Jungtalent Näff. Am nächsten an eine Sensation kam der YSZ-Nachwuchstrainer Julian Busslinger gegen den A19 Dorian Girod: Er führt souverän mit 2:0-Sätzen und 7:4 ehe sich der Jugend-Nationalspieler perfekt auf das Abwehrspiel des frischgebackenen Lehrers einstellte und mit 2:4 doch noch die Oberhand behielt.

 

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Fotos: René Zwald/Hans-Ruedi Lüthi

 

Die YSZ’ler müssen sich jedoch über diese Niederlagen im Einzel, die mit einer Ausnahme alle gegen höher klassierte Gegner zustande kamen, nicht grämen. Ihre Erfolge im Doppel waren aller Ehren wert. Es scheint, dass sich der gute Teamgeist im Verein und die hohe Sozialkompetenz der Spieler im Doppel besonders niederschlagen. Bei einem gemeinsamen Pizza-Essen konnten die Spielerinnen und Spieler dann die dramatischten Momente dieser „abnormalen“ Schweizer Meisterschaften noch einmal Revue passieren lassen und auf die sensationelle Silbermedaille anstossen.

 

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Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle auch unserem Coach Markus Baumann, der unsere Spieler bis spät abends betreute, in wichtigen Momenten immer wieder wertvolle Inputs geben konnte und damit auch einen entscheidenden Anteil an den tollen Erfolgen unserer Spieler hatte [Anm. d. Präsidentin].

 

 

Text: Markus Baumann